Presseschau

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 10/08 vom 05.03.2008

Wer jahrelang in ein Kellerverlies gesperrt wurde, sollte zumindest seinen Nachnamen behalten dürfen, wenn ihm schon die Privatsphäre weggenommen wurde. Geht aber nicht. "Nataschas Leid" schreibt News, "Nataschas Leiden", "Nataschas Vater", Natascha dies und Natascha jenes - als wäre die erwachsene Frau noch heute das kleine Mädchen mit Pagenschnitt und Schottenrock, dessen Suchfoto der Polizei uns das vergangene Jahrzehnt begleitete. Dabei ist die Regel ganz simpel: Erwachsene, die sich freiwillig infantilisieren lassen, soll man dabei nicht stören. Wenn Christina Lugner ein "Mausi" sein will und ein Wissenschaftsminister "Gio", weil das boboesker klingt, bitte schön. Wenn ein Entführungsopfer als erwachsener Mensch und nicht wie ein Teenie angesprochen werden will, dann detto. Der Weg zurück aus der freiwilligen Verkindlichung ist auch klar: Bisschen anstrengen, dann wird's schon wieder. Aber in deutschen Ekelshows Kakerlaken essen wollen und dann sagen, man mag nicht als mediales Mausi, sondern als Erwachsene wahrgenommen werden, das geht natürlich nicht.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige