Kommentar

70 Jahre 38: Abkühlung der Geschichte

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 10/08 vom 05.03.2008

In Deutschland spielt Österreich gerade wieder einmal keine Rolle. Da stehen wir kurz vor dem 70. Jahrestag des 12. März 1938, doch in den berühmten Debattenfeuilletons des Landes wird - zumindest bislang - kein Wort über den "Anschluss" der "Ostmark" ans "Altreich" verloren. Stattdessen diskutieren die Nachbarn noch immer in breiter Ausgiebigkeit über Jonathan Littells jüngst auf Deutsch erschienenen SS-Roman "Die Wohlgesinnten" - und fangen sich nun, so scheint es, auch noch ein ganz anderes Nazithema an.

Nicht "Hitlers erstes Opfer", sondern eine der größten Zivilkatastrophen des Zweiten Weltkriegs steht derzeit im Mittelpunkt des deutschen Interesses: der Abschuss der Wilhelm Gustloff durch ein sowjetisches U-Boot am 30. Januar 1945, dem 9000 Menschen zum Opfer fielen - der Großteil davon zivile Flüchtlinge aus Ostpreußen, die mit dem einstigen KdF-Kreuzfahrtschiff von Danzig nach Kiel in Sicherheit gebracht werden sollten.

Anlass für das aktuelle Interesse ist kein runder


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