Burgtheater

Der Fall Otto Hartmann

Wolfgang Kralicek | Kultur | aus FALTER 10/08 vom 05.03.2008

Als Schauspieler ist es Otto Hartmann gewohnt, schnell das Kostüm zu wechseln. Als er am 15. Jänner 1938 den Opernball besucht, trägt er die Uniform des austrofaschistischen Sturmcorps. Zwei Monate später, einen Tag nach dem "Anschluss", wird er Am Hof in SA-Montur gesehen. "Gerne habe ich es nicht getan", wird er später dazu sagen, "aber ich war in einer Zwangslage."

Der 1904 in Wien geborene Otto Hartmann war nicht nur ein Wendehals wie aus dem Bilderbuch, sondern auch ein Denunziant, der Hunderte Widerstandskämpfer auffliegen ließ. Einige davon wurden hingerichtet, darunter der katholische Priester Roman Karl Scholz, die christlich-sozialen Funktionäre Jacob Kastelic und Karl Lederer und der Lyriker Hans Georg Heintschel-Heinegg. Als seine Schwester ihn kurz vor der Hinrichtung im Dezember 1944 ein letztes Mal im Gefängnis besuchte, sagte Heintschel-Heinegg zum Abschied: "Gegen Hartmann muss gefahndet werden, er hat uns verraten."

Otto Hartmann war seit September 1933 am Burgtheater

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