Der alltägliche "Anschluss"

Kultur | Joachim Schätz | aus FALTER 10/08 vom 05.03.2008

FILM Die massenmediale Erinnerung an den 12. März 1938 wird nach wie vor von NS-"Wochenschau"-Aufnahmen bestimmt. Die im Filmmuseum präsentierten Amateurfilme eines New Yorker Chemieprofessors erlauben jetzt einen aufschlussreichen Perspektivenwechsel.

Auf den Straßen marschieren lärmende Menschenmengen ... Armbänder, Fahnen, Hakenkreuze sind wie von Zauberhand auf einmal überall", heißt es in Helen Bakers Tagebucheintrag vom 11. März 1938, dem Tag von Kurt Schuschniggs Rücktritt als österreichischer Bundeskanzler. In den Aufnahmen, die das Ehepaar Helen und Ross Baker mit ihrer privaten 16-mm-Kodakkamera kurz davor auf Wiener Straßen gemacht hat, sind noch keine nationalsozialistischen Embleme auszumachen. Die Sympathien der aufgebrachten Menge sind trotzdem eindeutig: Die Menge ruft Slogans und reckt die rechte Hand zum Hitlergruß in Richtung Kamera.

Polizisten verteilen gelegentlich Knüppelschläge gegen die illegale Agitation, wirken aber auch ein wenig ratlos: Am 12. März


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