Schule des Sehens

Joachim Schätz | Kultur | aus FALTER 10/08 vom 05.03.2008

FILM Mit körnigem Bild und hypnotischem Off- Kommentar laden zwei starke österreichische Kurzfilme zur historischen Spurensuche ein.

Mein Vater will es schaffen. Mein Vater investiert. Die Bank gibt zwei Millionen dazu. Mein Vater ist Chef." Eine ganz normale Kleinunternehmergeschichte aus der österreichischen Provinz um 1970: Zuversichtlich wird die vom Großvater geerbte Tischlerei auf den neuesten Stand gebracht. Aber die Wirtschaftswunderzeiten sind vorbei.

"Eine Million Kredit ist normal, sagt mein Großvater", heißt der autobiografische Filmessay von Gabriele Mathes. Die Normalität, die hier geschildert wird, ist eine zerbrechliche: Der Familienbetrieb kommt aus den roten Zahlen nicht heraus, Möbelgroßmärkte verdrängen ihn endgültig vom Markt. Die Tochter reißt aus, die Mutter nimmt sich einen Liebhaber. In Schichtarbeit muss der Vater Schulden abbauen. Irgendwann packt er es nicht mehr.

Diese Chronik eines Bankrotts, von Mathes niedergeschrieben und von Stefanie Dvorak nüchtern

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