Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 10/08 vom 05.03.2008

Sex

Sex macht Laune "Ich wach jetzt wieder gamsig auf, mit einem Hauch Vorfreude auf den Tag. Der Frühling ist nicht weit." Das interessierte mich, denn die Worte stammen von einer, die seit Monaten auf Prozac grundelt: "In den Wintermonaten ist Sex doch oft nur ein Punkt auf der To-do-Liste, neben Familie, Beruf und Nahrungsaufnahme. Wenn's passiert, ist das eh okay, aber man muss es sich vornehmen. Und auf einmal kommt ein Punkt im Jahr, an dem sich die Geilheit automatisch einstellt. Das ist praktisch und führt zu ausgeglichener Stimmung allerseits." Ich bekomme Visionen von Independence-Day-mäßigen Riesentageslichtlampen, die das Land ab nächstem Herbst bestrahlen und die Nation vor einem Einschrumpeln der Sinne bewahren. Man leidet ja unter den schlechten Launen der Leute zusätzlich zur eigenen Muffeligkeit. Meine Freundin hat Recht. Letztens strahlt mich die ewig zwiderwurzige Trafikantin an und SCHENKT MIR EIN BRIEFLOS! Deren Sexpartner muss ein Wunderheiler sein. Werde das recherchieren.

Heidi List

Fussball

Die Sprache des Fußballs (3) Das Fußballwort der Woche ist die "Tatsachenentscheidung". Es handelt sich dabei um keinen fußballspezifischen Ausdruck im engeren Sinn - und doch ist kein anderes Sachgebiet bekannt, in dem das seltsame Wort ernsthaft zur Anwendung käme. Mit der Tatsachenentscheidung werden - typisch Fußball - zwei Worte verknüpft, die einander eigentlich ausschließen. Wer eine Entscheidung trifft, muss mindestens zwei Möglichkeiten zur Wahl haben. Tatsachen aber kann man sich nicht aussuchen. Gut möglich, dass der Erfinder des Wortes sich des Widerspruchs bewusst war: Gemeint ist nämlich, dass die Entscheidung des Schiedsrichters, wenn sie einmal gefällt wurde, unumstößlich ist wie eine Tatsache. Frei nach Wittgenstein könnte man also sagen: Der Fußball ist alles, was die Tatsachenentscheidung ist.

Wolfgang Kralicek


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