Fragen Sie Frau Andrea

Göns

Stadtleben | aus FALTER 10/08 vom 05.03.2008

Liebe Frau Andrea,

da ist mir eine Frage erblüht, die mich intermittierend seit der Unterstufe beschäftigt (und die ist schon lange her). Nämlich: Warum impliziert das bestätigungsheischende Wörtchen "gell" ein Duzverhältnis, obgleich doch kein "du", ja nicht einmal ein einschlägiges Verb enthalten scheint? Tatsächlich kennt die Umgangssprache ja auch höfliche Gegenstücke wie "gelln'S", "gön'S" etc. In der Hoffnung, die rätselhafte Blüte möge von Ihnen gekappt werden, verbleibt

Stefan Metzler-Dinhobl

Lieber Stefan,

"gell" oder "gelt" ist eine Interjektion, die schon lange in der deutschen Sprache herumgeistert. Der Ausruf kommt vom Zeitwort gelten und bedeutet konjunktivisch gebraucht so viel wie "möge es gelten!", "gelte es!" Das Wienerische hat daraus bekanntlicherweise das "göt'n" gemacht, wobei gelt zu göt wurde und gell zu gö. In Verkennung der tatsächlichen sprachlichen Zusammenhänge hat sich der Usus eingebürgert, das gö für eine Verschleifung von "gellen" (laut rufen) zu halten. Damit werden Wendungen möglich, die es auch bei anderen Ausrufen gibt: In Anlehnung an hean'S und heat's (für hören Sie und hört ihr), sowie gengan S' und get's (für gehen Sie und geht ihr) haben die Wiener Zungen einen vermuteten Zusammenhang mit gellen Sie (göön) und gellt ihr (gön's und göt's) gemacht. Einige Beispiele für unseren Begriff können so klingen: "Göt's es haud's eich heid am Schbuatplods!" (Gelte es, ihr geht heute auf den Sportplatz!). "Gön'S, seid in Öro hom mia nua mea Schoda im Beasl" (Gilt nicht auch für Sie, seid der Einführung des Euro haben wir nur mehr Kleingeld in der Börse.). Göns, so gangats!


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