Ich fühl mich so leer

Stadtleben | Michael Ziegelwagner | aus FALTER 10/08 vom 05.03.2008

STADTOBJEKT Manche Dinge verschwinden einfach aus dem Bewusstsein. Oder wann haben Sie zum letzten Mal einen Briefkasten benutzt?

Es gibt Themen, die bei Stammtischphilosophen kulturpessimistische Ausfälle provozieren. Briefeschreiben ist eines davon: Die Kinder können sich heutzutage nicht mehr ausdrücken, sie verlernen das Schreiben, ihre Kommunikation wird immer oberflächlicher, immer schneller, E-Mail und SMS, Smileys und Abkürzungen, und denglish sowieso. Niemand nimmt sich mehr die Zeit, das gute Büttenpapier aus der Lade zu holen, den Federkiel anzuspitzen und einen schönen, langen Brief zu verfassen. Dann trieft dem Nostalgiker das Auge, auch wenn er früher äußerstenfalls und unter elterlichem Zwang ungefähr Folgendes zu Papier brachte: "Liebe Tante Erna, herzlichen Dank für deine Weihnachtsgrüße, über den schönen grauen Pullover habe ich mich sehr gefreut." Immerhin: Wenn man damals, die Postkarte mit der schief geklebten Marke in der Hand, Ausschau nach einem Briefkasten


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