Rezension

Der Geschmack von langsam zerkauter Wintergerste

Extra | aus FALTER 11/08 vom 12.03.2008

Eine Innovation ist anzuzeigen in der österreichischen Literatur, eine Innovation, die zugleich ein Rückgriff auf Altbewährtes ist. Reinhard Kaiser-Mühlecker, Landwirtssohn aus dem oberösterreichischen Eberstalzell, wendet sich in seinem erstaunlichen Erstlingsroman dem Leben auf dem Lande zu, ohne die zum Klischee erstarrten Topoi der "Antiheimatliteratur" zu strapazieren, ohne aber auch in vormoderne Heile-Welt-Idyllik zu verfallen. Manch ein Kritiker fühlt sich an Adalbert Stifter erinnert bei der Lektüre dieses Debüts, auch mit Peter Handke ist der 25-Jährige bereits verglichen worden, was mit der Bedächtigkeit der Kaiser-Mühlecker'schen Prosa zu tun haben mag, mit der Aufmerksamkeit, die der junge Oberösterreicher den kleinen, alltäglichen Dingen entgegenbringt: dem Geschmack von langsam zerkauter Wintergerste, dem metallenen Geräusch des Sensendengelns, dem schmatzenden Plätschern von Wassertropfen, die langsam von einer Dachrinne fallen: "Auch hinter den kleinen Dingen",


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