Von Bora und Jugo gebeutelt

Extra | Edgar Schütz | aus FALTER 11/08 vom 12.03.2008

HISTORIE Miljenko Jergovic´s opulenter Roman "Das Walnusshaus" inszeniert Geschichte überzeugend als Familienhistorie: vom Ende der osmanischen Herrschaft in Bosnien bis zum letzten Balkankrieg.

Dieses Buch steht Kopf, und damit rinnt auch der Erzählfluss in die verkehrte Richtung: Am Anfang steht der Tod, am Ende die Geburt von Regina Delavale (ledige Sikiric´), die 1905 auf die Welt kommt und 2002 - nachdem sie durch ihre in Aggression umschlagende Altersdemenz für die Familie zur unerträglichen Last geworden ist - in einem Krankenhaus in Dalmatien an einer deftigen Dosis Beruhigungsmitteln stirbt. Das Leben von Regina bildet aber nur das Gerüst, auf das sich Miljenko Jergovic´ stützt, um ein soziohistorisches Fresko oder Sittengemälde jenes geografischen Raumes zu entwerfen, der im 20. Jahrhundert einmal den Vielvölkerstaat Jugoslawien beherbergte und heute aus zersplitterten Kleinstaaten besteht, die freilich drauf und dran sind, sich in nicht allzu ferner Zukunft, nolens


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