Der Herbst des Phallokraten

Extra | Wendelin Schmidt-Dengler | aus FALTER 11/08 vom 12.03.2008

LETZTE LIEBE Martin Walser wird intim mit Goethe und setzt mit "Ein liebender Mann" einer berühmten amourösen Niederlage ein Denkmal.

Die Geschichte ist bekannt: Von 1820 an besucht Goethe im Sommer regelmäßig das neu gegründete Marienbad. Die verwitwete Amélie von Levetzow nahm mit ihren drei Töchtern Ulrike, Amalie und Bertha ab 1821 dort Quartier. Schon 1822 erweckte die 1804 geborene Ulrike die Aufmerksamkeit Goethes, im Jahr darauf hält der gerade 74 Jahre alt gewordene Dichter förmlich um deren Hand an, erhält aber keine klare Auskunft von der Mutter. Die Levetzows übersiedeln Mitte August nach Karlsbad, Goethe kommt eine Woche später nach, man trifft sich wieder, doch am 5. September folgt ein "tumultuarischer Aufbruch" nach Weimar, wo Goethe nach zwölf Tagen eintrifft. Auf der Reise entsteht als lyrisches Endprodukt die "Marienbader Elegie", die dann als Mittelstück der 1827 erschienenen "Trilogie der Leidenschaft" fungiert.

Martin Walser hatte schon in seinem Eckermann-Stück


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