Es werde Nacht

Nicole Scheyerer | Extra | aus FALTER 11/08 vom 12.03.2008

KULTURWISSENSCHAFTEN Elisabeth Bronfen geht in ihrer gewohnt gelehrten neuen Studie den Denkfiguren nach, die sich in Literatur, Philosophie, Kunst und Film an die Nacht koppeln.

Nach zehn Jahren als Einsiedler in einer Gebirgshöhle steigt Zarathustra bei Morgenröte empor. Noch vor den ersten wärmenden Sonnenstrahlen beschließt er, seine Lehre zu den Unwissenden ins Tal zu tragen. In der Dunkelheit hat der Weise seine Erkenntnisse gewonnen; sie sollen nun die anderen erhellen. "Die Welt ist tief -: und tiefer als je der Tag gedacht hat", schreibt Friedrich Nietzsche in "Also sprach Zarathustra". Für ihn geht allen Worten etwas Dunkles voran, eine Urnacht, die der Sprache nur als Fluchtpunkt dienen kann. Nietzsche begreift das Wechselspiel von Offenbaren und Verbergen als Grundlage philosophischen Denkens. Mit dem Titel ihres neuen Buches "Tiefer als der Tag gedacht. Eine Kulturgeschichte der Nacht" bezieht sich Elisabeth Bronfen auf den Philosophen, den das Verhältnis zwischen einer

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