Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 11/08 vom 12.03.2008

Krise? 1988, das war schon eher eine. In deren Mittelpunkt stand Kurt Waldheim, der vergessliche Bundespräsident, der sich nicht und nicht zu einem klaren Wort durchringen mochte. Vor den ominösen Tagen des 4. und 12. März intensivierte sich der Furor der Gegner und der Bestemm der Waldheim-Befürworter. Es kam zu einer großen Anti-Waldheim-Demonstration, die Stimmung war sehr aufgeregt.

Das Titelblatt der Falter-Ausgabe war ein "practical joke", nicht der erste in dieser Sache. Die Titelzeile lautete: "Sehr geehrter Herr Bundespräsident Dr. Kurt Waldheim: Die Mehrheit der Österreicher steht hinter uns. Wir fordern Sie auf: Bleiben Sie im Amt!" Das spielte auf die vielen wechselseitigen Rücktritts- und Amtsverbleibaufrufe an. Unterzeichnet war die Aufforderung mit der sich wiederholenden Zeile: "Dr. Alois Mock, Vizekanzler - Dr. Alois Mock, Außenminister - Dr. Alois Mock, Obmann - Dr. Alois Mock, Abgeordneter". Zusatz unter dem Inserat: "Zahlreiche ORF-Redakteure mussten ihre Unterstützung auf Weisung des Generalintendanten zurückziehen" (der ORF-Generaldirektor hieß damals nicht Gerd Bacher, sondern Teddy Podgorski). Gekennzeichnet war die Anzeige mit der Zeile: "Anzeige des unabhängigen Komitees, Österreicher für den Verbleib Waldheims'".

Im Heftinneren wurde klar, dass "zweitausend Österreicher und Österreicherinnen" für Waldheims Rücktritt demonstriert hatten, etwas weniger als am Sonntag davor. Der republikanische Club Neues Österreich hatte zur Demo aufgerufen. Die Schauspielerin Elisabeth Orth rief den Demonstrierenden zu: "Dr. Waldheim, treten Sie um Gottes willen zurück!" Geplant wurde eine Großveranstaltung am 12. März, Forderungen, ein Mahnmal von Alfred Hrdlicka zu errichten, wurden laut. Dessen hölzernes SA-Pferd diente als Symbol der Waldheim-Gegner. A.T.


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