Wer Dollfuß wirklich war

Kurt Bauer | Vorwort | aus FALTER 11/08 vom 12.03.2008

KOMMENTAR Eine Replik auf den letztwöchigen Beschwichtigungsversuch von Nationalratspräsident Michael Spindelegger.

Vor einem Dreivierteljahrhundert versuchten die Vorgänger der heutigen ÖVP einen Personenkult rund um ihren verewigten "Volkskanzler" Engelbert Dollfuß aufzuziehen. Die Inspiration holte man sich gleich in der Nähe, bei "Führer" und "Duce". Von jedem ein gutes Stück, dazu dick aufgetragenes katholisches Märtyrertum, was konnte da schon schiefgehen? Ein prächtiges Beispiel dafür ist das Dollfuß-Lied. Der Text ein bissl Horst Wessel, die Melodie ein wenig wie Mussolinis "Giovinezza". Das hörte sich dann so an: "Ihr Jungen, schließt die Reihen gut! / Ein Toter führt uns an. / Er gab für Österreich sein Blut, / Ein wahrer deutscher Mann."

Der von einem übernervösen Naziputschisten unabsichtlich niedergeschossene Millimetternich als Heroe des freien, im Übrigen natürlich deutschen Österreich - das klang nur für den harten vaterländischen Kern einigermaßen

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