Kritik kurz

Kultur | aus FALTER 11/08 vom 12.03.2008

Die Welle In Morton Rhues auf einer wahren Begebenheit basierender Kurzgeschichte "The Wave" beantwortet ein kalifornischer Lehrer die Frage seiner Schüler, wie es zum Nazi-Holocaust kommen konnte, schocktherapeutisch: Er stiftet sie zur Gründung einer faschistischen Bewegung an. In der US-Fernsehfassung von 1981 kam der Klassiker gutgemeinter politischer Bildung auch hierzulande zum videogestützten Unterrichtseinsatz. Zur Kinobesuchsverpflichtung von Schulklassen bietet sich im Zeitgeschichtejahr 2008 eine Neuverfilmung an; sie spielt im Berlin von heute und geht nicht vom Unwissen Jugendlicher übers Dritte Reich aus, sondern von Übersättigung. Von "Autokratie" und "Diktatur" ist nun die Rede; doch steht und fällt "Die Welle" damit, dass die (Neo-)Nazis gemeint sind. Noch mehr als im 1981er-Film allerdings wird hier NS-Herrschaft, unter Ausblendung antisemitischer und rassistischer Feindbildpolitik, auf Gruppenmechanismen der Konformität reduziert. Das ergibt ein Zweistundenpanorama


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