Stadtrand

Insel der Seligen

Stadtleben | aus FALTER 11/08 vom 12.03.2008

In den verschlungenen Straßen der Leopoldstadt hat ein neues Lokal eröffnet: Café Vicktoria, Czerningasse. Ein Haus weiter hinten steht ein Puff (Kontakt-Café), etwas weiter vorne ein Sexshop. Das weckt den Verdacht, dass es sich beim neuen Lokal ebenso um ein einschlägiges Etablissement handeln könnte. Aber nein - nicht das Café Vicktoria: Jenes ist nämlich - das verkündet die Tafel vor der Tür, gleich unter dem Wort "Neueröffnung" - "österreichisch geführt". Das wirft natürlich die Frage auf, was "österreichisch geführt" impliziert. Keine alten Männer, die ihren sexuellen Gelüsten nachgehen? Keine jungen, die - mit Pitbull an der Leine und neonbuntem Käppi am Kopf - ihre dubiosen Geschäfte betreiben? Das Café Vicktoria als Insel der Harmonie im Bezirk des Bösen? Frei von alledem, was die Stadt schon viel zu lange unsicher macht? Irgendwas wird sich der neue Besitzer schon gedacht haben. Vergangenen Sonntag jedenfalls wurde das "österreichisch geführt" gelöscht und durch eine Aufzählung angebotener Biermarken ersetzt. Ausschließlich österreichische natürlich. Ist ja fast dasselbe. J. G.


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