hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 11/08 vom 12.03.2008

Zweite Chance!

Man stellt sich überall die durchaus unwichtige Frage: Was bleibt von 1968? Oder auch: Was haben wir damals gemacht? Wenn die Antwort deprimierend ist, macht das gar nichts, es gibt schließlich immer eine zweite Chance. Karl-Heinz Böhm zum Beispiel, einer der ganz großen Söhne der Stadt, hat in dieser Zeit so gut wie gar nichts gemacht. Der frühere Lieblingskaiser der Österreicher hatte nämlich 1959 den schwer traumatisierten Frauenmörder mit der Kamera in "Peeping Tom" gespielt, worauf er jahrelang weg vom Filmgeschäftsfenster war. Er hatte seine Unschuld verloren. Erst in den Siebzigern sollte sich das wieder (durch R.W. Fassbinder) ändern. Auch privat gab es die zweite und dann sogar dritte Chance, und die nahm er beim Schopf und trat 1991 nochmal in den Stand der Ehe, und zwar wo? Am Schloßberg. Das tun immer noch viele, in der Steiermark 5407 pro Jahr, und ein Drittel davon tut es nicht zum ersten Mal, sondern zum zweiten, dritten oder vierten Mal. Man hat immer einen nächsten Versuch, außer beim Selbstmord, der entgegen jugendlichen Fantasien so gut wie nie als Sprung vom Schloßberg begangen wird. In dieser Statistik ist die Steiermark trotzdem ganz vorne, während sie sonst fast überall nur Zweite ist. Und der GAK momentan nicht mal das. Geben wir ihm eine zweite Chance!


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