Kunst kurz

Erotik der Distanz

Kultur | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 12/08 vom 19.03.2008

Das Nachstellen berühmter Gemälde war im 19. Jahrhundert ein beliebtes Amüsement, gern gepflegter Eisbrecher im bildungsbürgerlichen Haushalt. Hundert Jahre später ist aber Schluss mit zu viel lustig, und das fotografisch festgehaltene Tableau vivant wird zur künstlerischen Strategie erkoren, kulturell vererbte Haltungsweisen kritisch zu befragen. In Österreich schlüpfte etwa Valie Export in ein Hausfrauen-Arbeitskleid und in die Rollen ganz pathetischer Gestalten. Wie etwa jener Musen, die Botticellis Primavera huldigen, so dass - im Überschwang der plötzlich allzu großen Gestik - Klischeebilder des Weiblichen erkennbar wurden. Nun erkennen Wolfgang Prinz und Michel Gholam, sprich Prinz Gholam, wie viel Körperbeherrschung die alten Meister ihren Figurengruppen abverlangten. Dass sie im Nachstellen kunsthistorisch hochberühmter Szenen manch geschlechterrollentypische Verteilung unterlaufen, mag ihre Arbeit, die bis 18.5. bei Camera Austria zu sehen ist, zusätzlich aufladen.


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