Steirerbrauch

Stadtleben | aus FALTER 12/08 vom 19.03.2008

FIEBERN "Wie ein langer, ruhiger Fluss", hat er denken müssen. Und hat beim Denken den Jangtse vor den trüben Augen gehabt, so wie er ihn einmal in einer Fernseh-Doku gesehen hat, schlammgelb nach einem schweren Unwetter. Staumauern, Kaskadenwehre, Schützen, Schleusen und Turbinen, über die sich der träge gelbe Strom wälzt. Felder überschwemmt, Menschen umspült, ganze Städte flutet, niedrig gebaut. Und die schwüle tropische Hitze hat er am eigenen Körper gespürt dabei. Das feuchte Hemd. Die Moskitoschwärme, die den Bauern am Leib hängen. Den Schlamm an den Füßen. Das Fieber auf der Stirn. Die hunderttausend kleinen heißen Stiche, Seuchenstiche, Entzündungsherde, Eiterflüsse. Wie ein langer, ruhiger Fluss. Gelb wie der Jangtseschlamm. Ein Extradosis Paracetamol hat die Welt dann wieder in Ordnung gebracht. T.W.


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