Standpunkt

Erwischt!

Politik | aus FALTER 12/08 vom 19.03.2008

Blöd gelaufen. Ein internes Strategiepapier der ÖVP mit einem genauen Fahrplan für vorgezogene Neuwahlen am 1. Juni erreichte die profil-Redaktion. Das Papier ist zwar längst überholt, trotzdem ist die Sache eine Blamage für die Volkspartei. Und ein gefundenes Fressen für die SPÖ. Dort rollen bereits Krokodilstränen. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer ist "schwer enttäuscht" vom Koalitionspartner, Bundesgeschäftsführer Joe Kalina wittert "starken Tobak" von der ÖVP. Die SPÖ, so wird treuherzig verkündet, habe natürlich nie und nimmer ein ähnliches Neuwahlkonzept in der Schublade. Dabei ist das schwarze Strategiepapier nichts Schlimmes. Wenn es politisch so sehr kracht wie in den vergangenen Wochen, wird sich jede Partei überlegen, wie sie weiter vorgeht. Wenn Kalina nun behauptet, seine Partei hätte sich keine Exitstrategie aus dem Politdilemma überlegt, fragt man sich, was die SPÖ-Strategen eigentlich den ganzen Tag tun. Peinlich wird es nur, wenn solche Überlegungen an die Öffentlichkeit gelangen, wie es nun geschah. Dann wird auch den Wählern hoffentlich klar, dass die "Wir wollen für unser Land arbeiten und nicht streiten"-Sager der ÖVP-Spitze vor allem eines sind: eine Politshow, bei der im Hintergrund nur auf den idealen Moment gewartet wird, der SPÖ die Schuld an Neuwahlen umzuhängen. N. H.


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