Die sudernde Politik

Politik | Armin Thurnher | aus FALTER 12/08 vom 19.03.2008

Essay Alfred Gusenbauer, die Fähigkeit zu regieren und die Unfähigkeit, einander anzuerkennen. Ein vorösterlicher Versuch zur politischen Einkehr.

Ich war fünf Jahre in Auschwitz" hörte ich eine alte Dame zu einer anderen sagen. Auch Zeitzeugen und Betroffene waren zur Veranstaltung des Parlaments zum siebzigsten Jahrestag des "Anschlusses" geladen gewesen. Es ging durchaus würdig zu, mit Reden und den üblichen Nuancierungen, wobei jeder darauf achtete, ob Kanzler und Vizekanzler durch die Sprache der Gedenkpolitik einander etwas zu sagen hätten. Sie hatten. Der Kanzler übte zart verschlüsselte Selbstkritik, der Vizekanzler wiederholte seinen Satz von der Pflicht zur Zusammenarbeit. Der Bundespräsident sprach am Schluss mit geradezu ostentativer Pathoslosigkeit zum zeitgeschichtlichen Anlass und dessen Nutzanwendung. Der überparteiliche Sozialdemokrat Heinz Fischer hatte zwei Tage zuvor den Versuch unternommen, die beiden zerstrittenen Regierungschefs wieder zur Zusammenarbeit


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