Wer übernimmt nach einer Entführung welche Kosten?

Politik | aus FALTER 12/08 vom 19.03.2008

Eine Entführung kostet die Beteiligten nicht nur Nerven, sondern auch viel Geld. Wer zahlt was? Da offiziell kein Staat Lösegeld bezahlt, existiert dafür auch kein Budget. Dem Vernehmen nach gibt es für solche Fälle Budgettöpfe, die es gar nicht gibt. Sie werden spätestens beim ersten Entführungsopfer eingerichtet.

Für den Staat gilt grundsätzlich das Nichtversicherungsprinzip. Für Entführungen eines Staatsbürgers ist er demnach nicht versichert. Mitarbeiter, die an Entführungsfällen arbeiten, werden in der Regel aus dem laufenden Budget bezahlt. Laut Gesetz trägt ein Entführungsopfer an der Rettungsaktion Selbstkosten in der Höhe von bis zu 20.000 Euro, wenn es sich "grob schuldhaft in eine Situation" begeben hat. Das heißt: wenn es allgemein zugängliche Informationen über Gefahrensituationen unzureichend berücksichtigt hat.

Wegen einer Reisewarnung des Außenministeriums - die besteht für Tunesien ohnehin nicht - wäre ein Versicherungsausfall nur dann gegeben, heißt es bei Uniqa, wenn Krankheit oder Unfall infolge von Kriegsereignissen entstünden. Wenn jemand eine Reiseversicherung auf zwei Wochen abschließt, während dieser Zeit entführt, aber erst nach den zwei Wochen verletzt wird, zahlt die Versicherung nicht.

Es gibt eigene Versicherungen für den Entführungsfall, sogenannte K&R-Polizzen (Kidnap & Ransom, Entführung und Lösegeld). Damit lassen sich Forderungen von bis zu fünfzig Millionen Dollar abdecken. Eine zweimonatige Versicherung für Kolumbien mit einer Deckung von einer Million Dollar kostet beispielsweise viertausend Dollar.


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