Das Buch

Kultur | aus FALTER 12/08 vom 19.03.2008

Feuchtgebiete Als "angenehm unzimperlich" hat die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Silvia Bovenschen Charlotte Roches Roman bezeichnet. So kann man's auch sagen. In der Tat kennt die 18jährige Helen Memel, die wegen einer Analfissur im Spital liegt (und im Zuge der anstehenden Operation auch gleich ihre als "Blumenkohl" apostrophierten Hämorhoiden operativ entfernen lässt), wenig Berührungsscheu mit dem Körper und all seinen Produkten jedweder Konsistenz. In einem aufgekratzten, sämtliche Ekelschwellen lässig überspringenden Parlando erzählt die erschreckend schmerztolerante Helen von den Freuden der Masturbation und Menstruation, ahnend, dass andere Menschen ihre Neugierde eventuell nicht teilen: "Na, gut. Wer will das überhaupt wissen? Außer mir. Ich weiß."

Stimmt so aber gar nicht. "Feuchtgebiete" hätte mit 180 Seiten sicher auch das Auslangen gefunden, aber der Roman hat einen guten Sound, ist stellenweise saukomisch und nicht gerade meinungsschwach: "Wenn man Schwänze, Sperma oder Smegma ekelhaft findet, kann man's mit dem Sex auch direkt bleiben lassen."


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