Juhu, ein Tabu!

Michael Omasta | Kultur | aus FALTER 12/08 vom 19.03.2008

FILM Die Reihe "Kino wider die Tabus" versucht Avantgarde und Kommerz, Pornografie und Kunst zusammenzudenken und widmet sich der sexuellen Befreiung.

Take Me" lautet programmatisch der Titel eines Films von Stephen Dwoskin. Eine junge Frau mit kurzem Haar schreitet, leise vor sich hin summend, von rechts nach links und links nach rechts einen Raum ab, der vollkommen abgedunkelt ist. Man sieht nichts, keinen Hintergrund, nur diese Frau, die ihren hellen Morgenmantel schließlich ablegt und ihr Spiel mit der Kamera (und dem Publikum) nun unter immer aufreizenderen Bewegungen und mit immer dickerer Schminke ganzkörperbemalt fortsetzt.

Eine halbe Stunde lang dauert dieser 1969 in London entstandene Film, der den Akt einer einsamen Verführung beschreibt und fast wie die Dokumentation einer Materialaktion in Realzeit wirkt. Das wesentliche Moment dabei ist die Interaktion zwischen der nackten Frau und dem Kameraauge, eine bis zur Abstraktion übersteigerte Form minutiöser Beobachtung, die ungeheure

  990 Wörter       5 Minuten
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