Fragen sie Frau Andrea

Leiwaund

Stadtleben | aus FALTER 12/08 vom 19.03.2008

Liebe Frau Andrea,

in unserem Büro ist bei der Nachbesprechung diversen Schifoans die Frage über die Herkunft des Wortes "leiwånd" aufgetaucht. Ich meinte, man könne es mit "Kino" germanisieren, also mit "so traumhaft wie auf der Leinwand" übersetzen. Diese Erklärung stieß auf Widerspruch, da es ja auch nicht "leinwånd" ausgesprochen wird. Es wäre das Kinoste, wenn Sie uns da aus der Patsche helfen könnten,

Martin per i-mehl (es geht um eine Leinwandkarte!)

Lieber Martin,

leiwaund wird weder mit dem schwedischen "å" ausgesprochen, noch hat es mit Wänden oder cinematografischen Erlebnissen zu tun. Der Wiener Ausdruck für alles Wohlfeile und Angenehme kommt von den Flachsfasern, die wir als Leinen (lat.: linum) kennen. Leinengewebe hieß im Mittelhochdeutschen linwat, es wurde im neuhochdeutschen zu Leinwand umgebildet, weil dies ähnlich wie Gewand klang. Die Leinwand (wienerisch Lei(n)waund) ist also keine Linnenwand, sondern leinernes Tuch, ein sehr hochwertiger Stoff. Leiwaundes Tuch wurde im Wienerischen zum Synonym für gute Qualität. Der Ausdruck hat auch den Umweg über die Welt des Biers genommen. 1432 wurde dem Wiener Bürgerspital, dem traditionellen Ort des Leinenhandels, das Braurecht zugesprochen. Im sogenannten Leinwandhaus wurde eine Bierschenke errichtet, die von der Stadt auf eigene Rechnung betrieben wurde. Das "Leinwandbier" genoss einen ausgezeichneten, ja leiwaunden Ruf. Da Sie in der Germanisierung des Wienerischen sporteln, empfehle ich, leiwaund mit "linnern" zu übersetzen. Wenn Ihnen das zu kleines Kino ist, sagen sie einfach: "Guter Stoff, das."


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