Presseschau

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 13/08 vom 26.03.2008

Gedichte gab es bis jetzt nur in der Kronen Zeitung. Nach dem Motto "Reim dich, oder ich schlag dich!" pressen Leser auf der Leserbriefseite "Das freie Wort" ihre Empörung über Europa, Österreich und "die da oben" ins Versmaß. "Oh du mein Gemeindebau, waun i do auf de Stiagn so schau! Einst von dem roten Wien erbaut, hat stolz die ganze Wöd hergschaut. ... Von Stiege 1 bis Stiege 10 nur mehr fremde Namen stehn, jetzt frag i mi, san de a gleich alle echt aus Österreich? Oh du mein Gemeindebau! Traurig, traurig i jetzt schau." Und ganz vorne wird natürlich "In den Wind gereimt" - und so klingt es auch meistens. Beispiel: "Und Hitler, dieser böse Mann, starrt uns an allen Ecken an". Jetzt hat auch der Standard Gedichte. Und das ist eine nette Sache. Erstens dichten auf den Kommentarseiten des Standard Leute, die das im Gegensatz zu den Krone-Lesern und Wolf Martin auch können, nämlich gleich in der ersten Ausgabe die Schriftstellerin Friederike Mayröcker. Und zweitens ist in der momentanen politischen Realität etwas Poesie nicht unangenehm.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige