Nüchtern betrachtet

Ich wäre gern ein Gigant der Sanftmut

Kultur | aus FALTER 13/08 vom 26.03.2008

Lester Young, der hier schon vor zwei Wochen aus guten Gründen Erwähnung fand, war als Saxofonist und als Person ein Gigant der Sanftmut (er soll sogar ausschließlich weiche Mokassins getragen haben), und das größte Lob, das dem offenbar etwas maulfaulen, nicht gerade vom Füllhorn des Lebens überschütteten Mann über die Lippen kam, war "pretty", steigerbar zu "real pretty". Von weichen Schuhen rät mein Podologe ab - gerade die weichen Schleicher brauchen festen Halt -, ansonsten aber wäre ich auch gern so: soft und lakonisch. Leider bin ich aber ein logorrhögeplagter Teilzeitgrantscherben, der sich seine Euphorien mühsam mit legalen Drogen und der körpereigenen Apotheke zusammenbasteln muss - was andererseits ein ziemlich weit verbreitetes somatisches Schicksal ist. Und weil die Menschheit zu großen Teilen aus Typen wie mir oder sogar schlimmeren Gattungsexemplaren besteht, musste die Zivilisation erfunden werden, auf dass sie die Amplitude habituellen Auszuckens gnädig

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