Spielplan

Kultur | Hermann Götz und Clara Pfaller | aus FALTER 14/08 vom 02.04.2008

Der Vater hat eine junge Freundin, die Mutter schluckt Tabletten, der Bruder ist ein Scheusal, der Freund ein gewalttätiger Psychopath und Noe, der andere, leisere Junge, ein heimliches Genie. Das ist die Welt von Leyla, und die ist - wie so oft in sogenannten Jugendstücken - noch ein wenig wirklicher als die brutale Wirklichkeit. Aber da ist auch noch die Sprache, in der die junge Schweizer Autorin Darja Stocker in "Nachtblind" von dieser Welt erzählt, ungeschminkte Sätze von fast karger Direktheit. Stockers Text sagt, was seine Figuren sagen und tun, nicht, was sie fühlen oder denken. Johanna Grilj, die das TaO (Theater am Ortweinplatz) für diese Produktion quasi vom Burgtheater abwerben konnte, hat genau diese Stärke des Stücks erkannt und in fast formalistischer Strenge inszeniert (bis 11.4.). Der ganze Abend besteht aus von Blackouts unterbrochenen Szenenfetzen, jedes Mal, wenn das Licht angeht, sind wir mitten in der Situation. Die Geradlinigkeit im Spiel, die dieser Zugang


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