Steirerbrauch

Stadtleben | aus FALTER 14/08 vom 02.04.2008

MOORBADEN Ist seit Jahren niemand dort gewesen. Weil die Erinnerung nicht hat verschwinden wollen. An die beiden Buben. An den Dorffriseur. An die eine Nacht. Nur der Franz hat das Hochmoor lieb gehabt. Weil dort der Winter länger geblieben ist, selbst wenn unten im Dorf schon die Krokus und die Himmelschlüssel im warmen Frühling geblüht haben. Hat sich gern ins Feuchtgebiet geschlichen, wenn niemand geschaut hat. Wenn er das Verbotene und das Vergangene spüren wollte. Den schlüpfrigen Schlamm zwischen seinen Zehen, in seinen Körperfalten. Der Sonnentau hat ihn dort begrüßt, der weiche Torf, die bleichen Moose. Unter den krummen Birken ist der Franz dann gelegen, ganz frei gemacht, ganz bloß, ganz offen und das kalte Moorwasser in seinen Körper lassen. Und geträumt, er wäre damals, in der einen Nacht, dabei gewesen. T.W.


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