Der Mensch Europa

Politik | Stefan Apfl und Barbara Tóth | aus FALTER 14/08 vom 02.04.2008

IINTERVIEW Dem Holocaust entkam der Historiker Saul Friedländer zwar. Aber er lässt ihn nicht mehr los. Ein Gespräch über europäische Identitätssuche, amerikanischen Materialismus und die Unfähigkeit, sich zu wundern.

Sie erlauben, wenn ich das Sakko ablege?", fragt Saul Friedländer in schönstem Prager Deutsch. Es ist ein wenig zu warm im Clubraum des Wiener Hotels Ambassador. Friedländer ist gerade aus Los Angeles gekommen, vier Interviews gilt es zu absolvieren. Sein Haar ist weiß und dicht, seine Augen blicken neugierig, seine Hände bewegen sich wie die eines Dirigenten, wenn er spricht. Als Professor der Geschichte ist es der 76-jährige gewohnt, in mehreren Sprachen eloquent über sein Fachgebiet zu referieren: den Holocaust. Wir aber wollen mit ihm über ein Thema reden, das ihm nicht so nahe liegt, obwohl es ihn und seine Forschung geprägt hat: über Europa. Das überrascht ihn ein wenig, gleichzeitig scheint es ihn zu interessieren. Die nächsten 45 Minuten gibt es keinen


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