Bester of Böse

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 14/08 vom 02.04.2008

Richard Widmark (1914-2008)

Richard Widmark erblickte das Licht der Leinwand anno 1947, jenem Magic Moment, in dem der Faschismus in Europa besiegt war und die Hexenjäger McCarthys die amerikanische Filmindustrie noch nicht sicher im Würgegriff hatten. Tommy Udo, der sadistische Killer, mit dem er in "Kiss of Death" debütierte, sollte ihn für den Rest seines Lebens verfolgen. "Ein bisschen hart ist es schon", bemerkte Widmark trocken. "Man gefällt sich in der Vorstellung, ein ganz brauchbarer Schauspieler zu sein, doch alles, was von einem in Erinnerung bleibt, ist ein Kichern."

Er überzeugte auf beiden Seiten des Gesetzes, als Polizist wie als Gangster, doch selbst die Charaktere, die Widmark etwa in Western von Edward Dmytryk ("Broken Lance", 1954) und John Sturges ("Backlash" und "The Law and Jake Wade", 1956/58) spielte, besitzen einen Zug ins Psychotische. Gebrochene, gefallene, getriebene Helden waren seine Domäne. Zu seinen unguten Glanzleistungen auf diesem Gebiet zählen der Killer in "Slattery's Hurricane" (André de Toth, 1949), der Taschendieb in "Pickup on South Street" (Sam Fuller, 1953) - und auch Harry Fabian, der gehetzte, glücklose Hustler in "Night and the City" (Jules Dassin, 1950), sein mitreißendster Auftritt überhaupt.

Richard Widmark - 1914 in einem Kaff namens Sunrise geboren, vorige Woche in Roxbury, Connecticut, gestorben - hat rund siebzig Filme gedreht, hat Pferde gezüchtet und hat sich selbst gern einen Bauer genannt. Solche wie ihn gibt's einfach nicht mehr.


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