Fragen Sie Frau Andrea

Handyquette

Stadtleben | aus FALTER 14/08 vom 02.04.2008

Liebe Frau Andrea,

Sie kennen das: laut sprechende Unbekannte, die in Stadionlautstärke handyphonieren. Sie begegnen mir in U-Bahnen, im Bus, in der Passage, in der Schnellausspeise. Wie kann man sich den Akustikmüll vom Leib halten, ohne strafrechtliche Grenzen zu überschreiten?

Klaus Jülich, Leopoldstadt

Lieber Klaus,

Handys übertragen ein sehr enges, auf die menschliche Stimme optimiertes Frequenzband. Unglücklicherweise werden über mobile Telefone auch Umweltgeräusche, Passantengemurmel, Technobeats und Straßenlärm übertragen, und zwar jene Geräuschanteile, die im Frequenzbereich der menschlichen Sprache liegen. Handygespräche in lauten Umgebungen führen daher zwangsläufig dazu, selbst lauter zu sprechen. Hinzu kommen die mitgelieferten Ambienttöne. Das akustische Gegenüber beginnt, sich dem Halbschreien anzupassen und hebt ebenfalls die Stimme. Im schlimmsten Fall kann sich so ein Schreiduell aufschaukeln. Auch schlecht justierte Lautstärkelevels können diesen Effekt auslösen. Es gibt einige Methoden, dem signifikant zu begegnen. Wir wollen Handyschreiern nicht das Telefon aus der Hand schlagen. Methode Vitásek kommt mit einer Handbewegung aus, die einen zurückdrehenden Lautstärkedrehknopf imitiert. Dazu ist Augenkontakt mit dem Adressaten nötig. Methode Dusl empfiehlt, laut mitzusprechen. Das ist mitunter ganz lustig, enthemmt ungemein und führt irgendwann zum Zusammenbruch der gegnerischen Kommunikation. Methode David hat der US-Comedian Larry David in "Curb Your Enthusiasm" eingeführt: Das Parallelgespräch ohne Handy. Funktioniert bestens in Restaurants und Vinotheken.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige