Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 15/08 vom 09.04.2008

Krochasex, Oida! Grüß Gott, ich bin die, die offenbar als Allerletzte auf den Krocha-Zug aufspringt. Das liegt daran, dass ich eine alte Oma bin und Zeit brauchte für Recherchen für das Thema: der österreichische Krocha und seine Beziehung zum Sex. Ich wurde fündig in Tulln an der Donau und konnte eine 16-jährige Krocharin interviewen (mit Palästinensertuch, die Frage, was ihrer Meinung nach die Palästinenser sind, blieb unbeantwortet). "Wie ist der Sex einer Krocharin?" "Eh fixxxx, Oida." "Was soll das heißen?" "Die Krocha wolln die Weiba, die Krocharinnen schaun aber eher amoi, Oida." "Ist das eine grundsätzliche Einstellung, typisch für das Krochawesen?" "Wieso, Oida, gschmust wiad scho, ned nua mit Krocha." "Aha, das heißt, ihr seid offen für andere Kulturen?" "Jo, weil wann's passt, dann bam, Oida!" Ich dankte für das Gespräch. Das wird keine neue sexuelle Revolution, so geht's backstage in der Wiener Staatsoper auch zu. Ende der umfassenden Studie.

Heidi List

Fussball

Die Sprache des Fußballs (7) Prozentangaben sind in der Sprache des Fußballs prinzipiell mit Vorsicht zu genießen. Zum Beispiel ist es gang und gäbe, dass Trainer und Spieler in entscheidende Spiele mit dem festen Vorsatz gehen, "mehr als hundert Prozent" zu geben. Das ist mathematisch zwar Unsinn, aber eine recht anschauliche Umschreibung dafür, über sich selbst hinauswachsen zu wollen. Anders verhält es sich mit der sogenannten "hundertprozentigen" (wahlweise auch "tausendprozentigen") Torchance: Eine solche gibt es definitiv nicht. Es liegt im Wesen der Chance, dass sie erst genützt werden muss. Seltsamerweise spricht man nie von einer fünfzig-, achtzig- oder neunzigprozentigen Torchance, obwohl das viel sinnvoller wäre. Hundertprozentig aber ist eine Chance erst, wenn sie keine Chance mehr, sondern schon ein Tor ist. Wobei Letzteres grundsätzlich hundertprozentig ist.

Wolfgang Kralicek


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