Fragen Sie Frau Andrea

Da Stond

Stadtleben | aus FALTER 15/08 vom 09.04.2008

Liebe Frau Andrea,

heute ist uns wieder einmal aufgefallen, dass es in der österreichischen Umgangssprache kein Äquivalent für "Ich liebe dich" gibt. Wieso gibt es für so vieles eine Dialektversion, aber ihre Liebe können Mann und Frau nur auf Hochdeutsch bekunden? Und steckt dahinter vielleicht eine tiefere Erkenntnis über die österreichische Mentalität? Wir würden uns freuen, wenn Sie dem mal nachgehen könnten!

Mit freundlichen Grüßen,

Johanna Stadlbauer und Markus Harg, per Elektropost

Liebe Johanna, lieber Markus,

im Einklang mit der Tatsache, dass es so etwas wie die "österreichische Umgangssprache" nur in den Vorstellungen deutscher Fernsehredakteure gibt, möchte ich mich auf die Liebesbezeugungen der Wienerinnen und Wiener beschränken. Im Cottage (Kotääsch), in Hietzing und der Josefstadt wird man gewiss davon ausgehen dürfen, mit dem hochdeutschen "Ich liebe dich" gepflügten Acker zu bestellen. Die Bevölkerung aus'm Hieb und vom Grund wird zu tieferen Wendungen greifen, um das Herz auf den Tisch und die Seele ins Bett zu legen. Wienerinnen und Wiener mit Schmetterlingen im Bauch werden seltener "I liab di" hauchen als "I hob di liab". Ideal ist auch das nicht, denn "Ich liebe dich" heißt auf Wienerisch streng genommen "I steh auf di". Jiddisch-wienerisch ließe sich der Sachverhalt auch so ausdrücken: "Bei mir bist (du) scheen!" Im Espresso, beim Branntweiner oder beim Wirtn empfiehlt sich das schlichte "I hoid auf di". Schmähtechnisch römisch eins ("remisch aans") wäre mein Favorit unter den Liebesbekundungen der blumige Ausdruck: "I bin schaasaugat auf di."


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