Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 15/08 vom 09.04.2008

Die wilde Waldheimzeit brachte manche Polemik hervor. Mitunter wurde aber auch mit der feinen Klinge gefochten, wie folgende Satire des Soziologen Reinhold Knoll zeigt, die unter dem Titel ",Ich werfe die Flinte nicht ins Korn.' Der Bundespräsident spricht zu seiner Zeitung" erschien.

"Liebe Leserinnen und Leser! Gemeinsam erfahren wir aus unserer Zeitung die ungeheuerlichsten Anschuldigungen gegen unser Land. Bilden Sie sich selbst ein Urteil, und Sie kommen zum selben Schluss wie die sowjetische Presse: Wegen eines Klüngels werde ich nicht zurücktreten, noch der Verschwörung weichen, die ich wie die Redakteure unseres Blattes und sowjetische Zeitungen als eine zionistische Intrige bewerte.

Ich werde die Flinte nicht ins Korn werfen. Von Ihnen, liebe Leser, bin ich ins Amt berufen worden, und das kann ich den Inhabern der Zeitung nicht antun, die Hofburg zu verlassen. (…)

Lassen wir uns doch den Stolz auf unsere Aufbau-Arbeit nicht nehmen. Gemeinsam haben wir dieses Land aufgebaut, die wir aus dem Krieg heimgekommen sind. Andere wollten eben nicht heimkehren und uns helfen, und diese sollen eben weiterhin draußen bleiben und uns in Ruhe lassen. Lassen Sie mich mit Ihnen mit Stolz in unserer kargen Freizeit den Blick über den See bei Nussdorf genießen, wo ich die Ehre habe, gemeinsam mit dem Herausgeber Ihrer Zeitung zu fischen.

Das Fischen hat mich immer nachdenklich gemacht. Und da bin ich den Herren Historikern dankbar, denn sie brachten die vielen Fischplätze bei Saloniki in meine Erinnerung zurück. Hätten mich die Herren Historiker gleich nach den Fischplätzen gefragt. Ich hätte ihnen sogleich ausgezeichnete Stellen sagen können. (…) Aber glauben Sie mir, ich habe nicht gewusst, warum plötzlich die Fischer wegblieben oder die Lust verloren." A.T.


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