Das Archiv der Akribie

Politik | Barbara Tóth | aus FALTER 15/08 vom 09.04.2008

ZEITGESCHICHTE Das Simon Wiesenthal Archiv ist voller Geschichten von Menschen, die nicht zur österreichischen Verdrängung passen. Wird die Republik dieses unangenehme Erbe würdig präsentieren?

Sie kamen kurz nach seinem Tod im September 2005. Mit einem angemieteten Lastwagen, einer Großbildkamera und Packgehilfen standen sie in der Wiener Salztorgasse. Binnen Stunden hatten sie Simon Wiesenthals persönliches Büro Millimeter für Millimeter abfotografiert. Sie dokumentierten alles: das scheinbare Durcheinander aus Zeitungsausschnitten, Büchern und Notizen auf seinem Schreibtisch, dessen Logik sich nur ihm und seinen langjährigen Mitarbeiterinnen erschloss. Die genaue Aufhängung der Bilder. Seine verglasten Bücherregale mit den signierten Werken, die ihm Freunde und Gönner geschenkt hatten. Die Stelle, an der die große Leselupe bei seinem letzten Besuch zu liegen gekommen war. Die Landkarte des Dritten Reiches vis-à-vis seines Arbeitsplatzes. Die altersschwachen Vorhänge. Dann


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