Siebzig Jahre Einsamkeit

Stadtleben | Joseph Gepp / Tel Aviv | aus FALTER 15/08 vom 09.04.2008

JUDENTUM 1938 mussten sie aus Österreich fliehen. 1948 mussten sie den neuen Staat Israel aufbauen. Heute betreiben sie gemeinsam Seniorenturnen. Ein Besuch beim Klub der Altösterreicher in Tel Aviv.

Wenn Gideon Eckhaus über Sand spricht, dann hört man ihn fast rieseln. Er hat seine Hand zur lockeren Faust geballt und reibt die zittrigen Finger aneinander, als würde ihm der Sand durch die Finger rinnen. "Straßen, Plätze, Gebäude. Alles, was sie hier sehen. Das war alles nur Sand", sagt Eckhaus. Er sitzt in einem modernen Café im ruhigen Norden Tel Avivs, auf dem Tisch eine Tasse Cappuccino und ein Sandwich mit Roastbeef - und kein Sandkorn weit und breit. "Als ich herkam, hat es das alles noch nicht gegeben. Wir haben es aufgebaut. Ich habe sieben Jahre lang in einem Zelt geschlafen. Es hat mich nicht gestört." Er sei ja immerhin mit dem Leben davongekommen, sagt er.

Es ist viel Zeit vergangen, seit Gideon Eckhaus, 85, aus Wien-Leopoldstadt hierherkam. Das war am 9. Jänner 1939.


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