hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 15/08 vom 09.04.2008

Befreundete Verkehrsteilnehmer

Es gab wahrlich schon lustigere Zeiten. Zum Beispiel die Achtziger. Aber vor allem gab es schon lustigere Zeiten für Autofahrer. Die ganze Stadt ist zu einer einzigen Kurzparkzone geworden, und in der öffentlichen Meinung stehen Autofahrer irgendwo zwischen Kettenrauchern und Neonazis. Das mag auch damit zu tun haben, dass der Präsident des Dachverbandes der Automobilclubs gern privat Nazi-Fesselspiele mit Prostituierten spielt und sich dabei filmen lässt, während die Autofahrer im Regen stehen gelassen werden. Das kleine ÖAMTC-Mitglied, das am Sonntagnachmittag in Leibnitz neben der Autobahn steht und Hilfe braucht, während daneben die südsteirischen Kevins, Renés und Patricks ihren Wochenendrausch bei Reparaturspritzer und Kuchen und "einem Stern, der deinen Namen trägt" ausklingen lassen, und also sowieso schon verdrossen ist, wird sich seinen Teil denken. Und das alles ist Teil eines umfassenden Vertrauensverlustes. Vor allem in die Politik, aber eben auch in die Autofahrerverbände. Vertrauen ist aber gerade im Straßenverkehr ein wichtiges Prinzip: Erst mal sind alle Verkehrsteilnehmer als befreundet zu betrachten, und wer sich an diesen schönen Grundsatz erinnert, dem wird auch geholfen werden, und er kann außerdem einen wunderschönen Sonntagnachmittag in Leibnitz verleben, und Frühling wird es eh sowieso, und demnächst kann man wieder schwimmen gehen.


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