Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 16/08 vom 16.04.2008

Waldheim-Zeit - verrückte Zeit. In der zweiten der Beschlagnahme durch das Staatsoberhaupt folgenden Ausgabe brachten wir in Form eines Pressekastens einen Überblick über die Ernte. Sie reichte von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen, was sich ja noch von selbst verstünde, über die Jerusalem Post, Le Monde, den Daily Telegraph, den Corriere della Sera, den Herald Tribune und die Londoner Times bis zum isländischen Morgunbladid aus Reykjavik.

"President Waldheim yesterday filed a libel suit against a Vienna magazine which published a demand that, suspicion of murder' charges be brought against him for his wartime actions. He asked the Vienna Prosecutors office to begin proceedings against the magazine Falter for defaming him in an article which appeared yesterday and demanded that copies of the magazine be removed from news stands. President Waldheim has also sued another magazine, Wiener, as well as the West German Paper Süddeutsche Zeitung and the president of the World Jewish Congress, Edgar Bronfman, for libel or slander concerning his war record", berichtete zum Beispiel die Times.

Auf dem Titelblatt brachten wir keine schwarzen Balken mehr, sondern eine Parodie eines Kronen Zeitungs-Covers, das programmatisch den Hornek-Monolog zitierte ("Denkt sich sein Teil und lässt die anderen reden"). Dagegen setzten wir die Aufforderung von Karl Kraus, Satirikern und Polemikern nicht das Objekt ihrer Bemühungen zu entziehen.

Auf Seite drei erschien außerdem eine Petition zahlreicher Intellektueller mit der Aufforderung an das Parlament, Waldheim abzuwählen. Unterzeichner neben anderen: Rudolf Burger, Anton Pelinka und Univ. Prof. Alexander Van der Bellen. A. T.


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