Ohren auf

Yin, Yang und Yun

Carsten Fastner | Kultur | aus FALTER 16/08 vom 16.04.2008

Tradition oder Moderne, Ost oder West - solch strenger Dualismus verhindere nur die Entstehung des kreativen Dritten, sagte der koreanisch-deutsche Komponist Isang Yun (1917-1995) einmal und nahm für seine Musik in Anspruch, dass sie sowohl östlich wie westlich als auch nicht östlich wie nicht westlich sein könne. "Wie es die Elemente Yin und Yang voneinander gegenseitig erfordern, lassen sich in meiner Musik Relativität und Einklang verbinden."

Mit Yuns 1. Kammersinfonie und zwei Haydn-Sinfonien macht das Münchener Kammerorchester unter Alexander Liebreich diese ganz eigenständige Verbindung auf einer klug programmierten CD hörbar (ECM/ Lotus). Über die direkte Bezugnahme auf Haydns Orchesterbesetzung hinaus trägt das Stück klassische Züge - und ist zugleich geprägt von einem entwicklungslos in sich ruhenden Zeitempfinden und der Konzentration auf nuancenreich gestaltete Einzeltöne. Kaum merklich breiten sich die Klänge aus - und der Kontrast zu Haydns stürmisch drängenden

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