Kritik kurz

Kultur | aus FALTER 16/08 vom 16.04.2008

Katja Kabanova Im Augenblick des höchsten Begehrens ist auch der breite Strom der Wolga kein Hindernis mehr, wandeln die Liebenden Katja und Boris über die Wasser wie weiland Jesus von Nazareth. Genauer gesagt: Sie gehen auf der Bühne des Theaters an der Wien einfach über jene Stelle, an der gerade noch ein Fluss aus Theaterlicht geflossen war (Ausstattung: Kaspar Glarner). Ein geschickt gesetzter Illusionsbruch des Regisseurs Keith Warner, der seine Inszenierung von Leos Janáceks Seelendrama "Katja Kabanova" (1921) ansonsten aber ganz realistisch und pragmatisch hält. Das kommt nicht zuletzt den großen musikalischen Qualitäten dieser Produktion zugute. Dirigent Kirill Petrenko hat beeindruckend präzise gearbeitet, entlockt dem RSO schwarz schillernde Klangpracht und den Solisten ein glaubwürdiges Tschechisch, und er hält über weiteste Strecken perfekte Balance zwischen Graben und Bühne. Anatoli Kotscherga (Dikoj), Johannes Chum (Kudrjas) und vor allem Stella Grigorian (Varvara)

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