Experte der Fremdheit

Kultur | Paul Pechmann | aus FALTER 16/08 vom 16.04.2008

LITERATUR Der in Graz lebende Autor und Übersetzer Klaus Hoffer analysiert in seinem neuen Essayband eine Grunderfahrung der Moderne.

Mein Lebensgefühl ist das der Desorientierung", erklärt Klaus Hoffer in einem der 13 Essays, die nach ihrem Erstabdruck in diversen Zeitschriften und Sammelbänden nun im Buch "Die Nähe des Fremden" gemeinsam publiziert werden. Das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören, hatte der 1942 in Graz als Sohn eines ranghohen, im Krieg "gefallenen" Nazifunktionärs und einer Mutter, die auch nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs dessen Ideologie nachhing, seit seiner Kindheit. Die Flucht der Familie in ein von KZ-Häftlingen erbautes Lager in der Obersteiermark und die Rückgewinnung der "entnazifizierten" Stadtwohnung sind Sinnbilder einer von Hoffer schon frühzeitig erfahrenen Empfindung des Fremdseins, die zum Ausgangspunkt, ja zur Voraussetzung für das Schreiben von Literatur wird.

Neben Texten von Canetti, Vonnegut, Heine, Urs Widmer, seinem eigenen Roman

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