Steirerbrauch

Stadtleben | aus FALTER 16/08 vom 16.04.2008

DICHTEN II Mittagspause war die schönste Zeit. Ist der Abdi am Bankerl gsessen und hat dem Schweiß zugschaut, der in großen Wolken von seinem Körper wegdampft ist. Mit leichtem Frühlingsdampf, hat der Abdi dacht, sich an den Hamam von Merzifon erinnert, nicht ohne Wehmut, und in die Sonne blinzelt. Und ans Cilosoglu hat er dacht, und die wohlgeformten Köfte, die sie dort machen. Und an die wohlgeformte Yesim, die dort in der Küche beim Köftekochen schwitzt. Das hat sie verbunden, hat er in der Frühlingsmittagssonne denken müssen und ihr ein SMS geschickt. "Mein Ort ist das Ortlose, meine Spur ist das Spurlose; es ist weder Leib noch Seele, denn ich gehöre der Seele der Geliebten", hat er getippt. Schade, hat er gedacht, dass sie die Träne, die ihm beim Schreiben aufs Display getropft ist, nicht sehen wird können. T.W.


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