Der Spinner

Politik | Julia Ortner | aus FALTER 17/08 vom 23.04.2008

PSYCHIATRIE Gerhard Oberenzer hat zwei Kinder, einen Schrebergarten und eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Nach drei Jahrzehnten Angst hat er gelernt, mit seiner Krankheit zu leben. Porträt eines Psychiatriepatienten in Wien.

Der Mann hat was von einem Psychologen. Er spricht langsam, überlegt, macht hin und wieder einen kleinen analytischen Schlenker. Erklären ist ganz Seines. "Schau her" oder so ähnlich sagt der 53-Jährige gerne am Beginn seiner Sätze. Die Augen sind dunkel, der Blick ist wach, manchmal traurig und in sich gekehrt. Obwohl der schlanke Mann mit dem zerzausten Haar eigentlich ein offener, lockerer Typ ist, fühlt er sich in Gesellschaft nicht immer wohl. "Schau her, das hängt von meiner Verfassung ab. Es gibt Tage, da ist es eine Leistung für mich, runterzugehen und eine Runde zu ziehen", meint Gerhard Oberenzer. Er zeigt raus aus dem Fenster seiner Simmeringer Wohnung, unten liegt ein Park zwischen den Betonburgen.

Draußen im Grünen zu sein ist für ihn überhaupt


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