Fragen Sie Frau Andrea

Lulu

Stadtleben | aus FALTER 17/08 vom 23.04.2008

Liebe Frau Andrea,

neulich grüßte mich jemand am Gang zu meinem Büro mit "Lulu". Der Mann zwinkerte, als führte er etwas im Schilde. Wollte er mich beleidigen, oder bin ich einem Leidenden begegnet?

Karin F. Knolle,

Ratzersdorf, per Elektropost

Liebe Karin,

es gibt mehrere Möglichkeiten, Ihre Begegnung zu lesen. Sollten außer der Kinderbezeichnung für Urin noch andere Begriffe aus dem Urogenitalapparat vorgetragen worden sein, eventuell begleitet von grimassierenden Ticks, sind Sie möglicherweise von einer Person gegrüßt worden, die am Tourette-Syndrom laboriert. Das ist für beide Seiten gefahrlos und im besten Falle anekdotenreich. Vielleicht sind Sie aber einem Mitglied der Männervereinigung Schlaraffia begegnet. Der Freundschaftsbund zur Pflege von Kunst und Humor wurde 1859 in Prag gegründet und wird von bösen Zungen als Karnevalsausgabe der Freimaurer bezeichnet. Die kreuzfidelen Herren - Erkennungszeichen ist eine kleine weiße Perle am linken Revers - treffen sich einmal pro Woche in ihrem Vereinslokal, das sie Schlaraffenburg nennen. Schlaraffischer Inbegriff von Weisheit, Humor und Tugend ist der Uhu. Ihre Sprache nennen die unernsten Herren, die Kaliber wie Franz Lehár, Paul Hörbiger, Gustl Bayrhammer, Peter Rosegger und Gustav Mahler zu ihren Ehrenmitgliedern zählen, Schlaraffenlatein. Einblick in die Qualität ihres Humors geben Begriffe wie Kniewinsel (Violoncello), Burgwonne (Freundin), Benzinross (Auto) und Schaum-Lethe (Sekt). Im Einklang mit diesen lustigen Bezeichnungen grüßen einander die weltweit etwa 10.000 Schlaraffen mit einem sympathisch sonoren "Lulu!".


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