Tier der Woche

Laufkundschaft

Stadtleben | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 17/08 vom 23.04.2008

"(...) denn es liegt im Wesen, in der Natur des Schafs, dem dümmsten Tier auf Erden, immer dem ersten, dem vorangehenden zu folgen, wohin immer es auch gehen mag."

(Rabelais, "Leben des Gargantua und Pantagruel")

Jetzt dräut er wieder, der Tag, an dem sich die Behinderung des städtischen Verkehrs mit Behinderungen durch übermäßige Sportausübung sinnfrei verbindet: Der Vienna City Marathon ergießt sich über Wien wie das Stoffwechselendprodukt einer inkontinenten Kuh.

Was treibt Menschen jenseits des dritten Lebensjahrzehnts, die alle körperlichen Voraussetzungen mitbrächten, ihr verbleibendes Leben in Würde und Anstand zu verbringen, sich gemeinsam mit tausenden anderen Körpern schwitzend, hechelnd, stolpernd und in geistloser Trance über den Asphalt zu quälen? Missverstandene Volksnähe? Anarchistischer Akt, um die Stadt ins Chaos zu stürzen? Verhaltensforscher orten im menschlichen Laufdrang eine kompensierende Maßnahme gegen zivilisationsbedingten Stress: "Flee" (Flucht)


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