hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 17/08 vom 23.04.2008

Stille Tage im Klischee

Österreichischer Fußballbund, Haklé Toilettenpapier, One, sie haben so einiges gemeinsam. Zum Beispiel, dass sie im Frühling vermehrt auf Treueaktionen setzen, weil sie wissen, dass diese ehrwürdige Tugend gerade jetzt rabiat im Sinken begriffen ist. Ja, es brechen gerne Beziehungen auseinander, und nicht jeder kann sich einen Berufsdetektiv zur dauerhaften Treuekontrolle leisten (kostet € 50 oder € 54 die Stunde, in Wien noch mehr). Man setzt daher auf Beziehungspflege, manche würden sogar das schlimme Wort "Beziehungsarbeit" in den Mund nehmen. Beziehungsarbeit ist in der Regel schlecht bezahlt und muss unter unwürdigen Bedingungen, teilweise auch im Freien und unter Stress, verrichtet werden. Momentan, wo Graz noch immer auf sein Wohlfühlhaus wartet, das der Bgm. versprochen hat, kann man den Bewohnern allerorten dabei zuschauen. Letzten Sonntag stand eine junge Grazerin eine halbe Stunde lang vor einer Gegensprechanlage in Geidorf und versuchte, einen Mann in einer Wohnung von seiner aufrichtigen Liebe zu überzeugen. Sie kam gerade aus Linz, wo sie ein schönes Fußballspiel gesehen hatte, obwohl sie eigentlich mit dem Mann schwimmen gehen wollte. Es war furchtbar. Was die beiden einen schiachen Winter lang zusammengehalten hatte, war alles nicht mehr da. Eine ganze Nacht lang hörte man sie schreien, bis "Tatort" anfing, dann war aber alles wieder ruhig.


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