Interview

"Inzesttäter führen immer zwei Leben"

Politik | aus FALTER 18/08 vom 30.04.2008

Wer in Österreich wegen eines Sexualdelikts zu einer Haftstrafe verurteilt wird, dessen Akt landet auf dem Schreibtisch von Reinhard Eher. Auch Josef F. wird nach einer möglichen Verurteilung wohl von dem forensischen Psychiater untersucht werden, der seit 2002 die zentrale Begutachtungsstelle für Sexualstraftäter des Justizministeriums leitet.

Falter: Ist der Missbrauchsfall in Amstetten ein spektakulärer Einzelfall oder nur die Steigerung dessen, was Sie aus Ihrer täglichen Arbeit kennen?

Reinhard Eher: Diese spezielle Konstellation, in der es offensichtlich um jahrzehntelanges Einsperren im Kerker geht, ist neu. Von der Missbrauchsdynamik muss man leider sagen, dass das altbekannt ist.

Inwiefern?

Dass ein Vater früh beginnt, seine Tochter zu missbrauchen, und dass sich dieser Missbrauch über Jahre und Jahrzehnte hinweg zieht, sehen wir immer wieder. Manchmal gibt es sogar generationenübergreifenden Missbrauch, wo ein Vater zuerst das eigene Kind und dann das Enkelkind missbraucht.


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