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Kultur | aus FALTER 18/08 vom 30.04.2008

KURZPROSA

Lydia Davis: Fast keine Erinnerung

Dass die bei uns noch kaum bekannte Lydia Davis in den USA von Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides bewundert wird, könnte einen auf eine falsche Fährte locken: Ihre Kurzgeschichten haben nichts gemein mit den redseligen Familienepen, die bei uns als „amerikanisch“ gelten, und wenig auch mit der klassischen Short Story. Es sind raffinierte, komische und merkwürdige, ja vertrackte Gebilde, in denen teils wenig Spektakuläres, teils Bizarres erzählt und das Denken genauer unter die Lupe genommen wird, als es ihm guttut. Da träumt eine Professorin für Englisch davon, einen Cowboy zu heiraten: „Vielleicht würde mich ein Cowboy davon abbringen können, so viel zu denken.“ Da plagt sich eine ihr Geistesverwandte damit, in der U-Bahn Foucault zu lesen. Da werden „Die Urgroßmütter“ im Wintergarten vergessen und wachsen dort fest, verholzen rettungslos. Da hüten zwei ein Haus in Südfrankreich und verlieren einen der ihnen anvertrauten

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