Fragen Sie Frau Andrea

Westensprüche

Stadtleben | aus FALTER 18/08 vom 30.04.2008

Liebe Frau Andrea,

Peter Westenthaler meinte kürzlich, die Polizei sei zu ehren, weil sie drei Rumänen "zur Strecke brachte". Im Übrigen sei mit der Polizei "nicht gut Kirschen essen". Welche Strecke? Welche Kirschen?

Ihre Beate Meinbrugger, Klamm

Liebe Beate,

wir gehen einmal von der Wörtlichkeit der erwähnten Zitate aus und unterstellen Peter Westenthaler, dass die Redewendungen zu seinem Wortschatz gehören. Jemanden "zur Strecke" zu bringen scheint ein passender Ausdruck für jene wilde Autobahnschießerei zu sein, die bei der Festnahme von drei falschen Polizisten stattgefunden haben soll. Immerhin sollen sich die rumänischen Täter auf einer Autobahnstrecke bewegt haben. Nun ist der Ausdruck "Jemanden zur Strecke bringen", ungeachtet westenthalerischer Lingo, weder korrekt noch menschenwürdig, denn er kommt aus der Jägersprache, wo erschossenes Wild so bezeichnet wird, das in einer Reihe aufgelegt wird, die die sogenannte "Strecke" darstellt. Strecke deshalb, weil das Wild ausgestreckt aufgelegt wird. Besser geht es der Treffsicherheit des Sprachbildes vom "guten Kirschenessen". Die Redewendung kommt aus einer Zeit, als Kirschbäume noch auf Klostergärten und andere herrschaftliche Baumgärten beschränkt waren. Die geistliche und weltliche Aristokratie pflegte Kern und Stängel der exklusiven Früchte in weitem Bogen auszuspucken. Gerne auch in die Gesichter von Leibeigenen. Wir wollen ein solches Autoritätsgefälle zwischen richtiger niederösterreichischer Polizei und falscher rumänischer nicht insinuieren, geben aber zu bedenken, dass von der österreichischen Exekutive wenig Früchtekonsum mit Außenstehenden bekannt ist.


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